2020

Dieburger D-Liga schrumpft auf zehn Mannschaften

Eine Übersicht über die Ligen-Zusammensetzung im Fußballkreis Dieburg: Von der Kreisoberliga bis zur C-Liga gibt es je maximal vier Absteiger
Von Jens Dörr

DIEBURG – Dieburg. Obwohl es nach der coronabedingt abgebrochenen Saison 2019/20 keine sportlichen Absteiger gab, sind die Ligen im Fußballkreis Dieburg kräftig durchgemischt worden. Zwei der fünf Klassen haben sich bei der Zahl der Mannschaften vergrößert, eine Liga ist massiv geschrumpft. Einige Teams, die in der vorigen Runde noch am Ball waren, sind verschwunden.
In der Kreisoberliga Dieburg/Odenwald „teilt“ sich der Kreis Dieburg auf der achthöchsten deutschen Ebene die Klasse mit dem Fußballkreis Odenwald. In der Vorsaison umfasste die Liga noch 16 Teams, jetzt sind es 18. Und das, obwohl neben Abbruchmeister FV Mümling-Grumbach zwei weitere Vereine die Klasse verließen, freiwillig nach unten: Türkspor Beerfelden zog sich in die A-Liga Odenwald zurück, der TSV Neustadt (der beim Abbruch Schlusslicht war) sogar in die B-Liga Odenwald. Gespeist wurde die Kreisoberliga allerdings nicht nur von den Aufsteigern SG Mosbach/Radheim, TSG Steinbach und FC Rimhorn, sondern auch von Viktoria Urberach (Rückzug aus der Verbandsliga) und vom VfL Michelstadt (Rückzug aus der Gruppenliga).
 
Deshalb sind es unter dem Strich nun zwei Teams mehr in der Kreisoberliga Dieburg/Odenwald. Da perspektivisch wieder die Richtzahl von 16 Mannschaften erreicht werden soll, gibt es neben dem einen Aufsteiger in die Gruppenliga Darmstadt bis zu vier Absteiger in die A-Ligen. Dies hängt, wie in jedem Jahr, aber auch mit der Zahl der Dieburger und Odenwälder Absteiger aus der Gruppenliga zusammen. Auch in der A-, B- und C-Liga Dieburg sind bis zu vier Absteiger möglich. Aus allen Klassen, auch aus der D-Liga Dieburg, steigt nur der Meister auf. Die Relegation soll laut Kreisfußballwart Heinz Zulauf (Lengfeld) in der Saison 2020/21 entfallen. Der Zweitplatzierte hätte also keine Aufstiegschance über eine Extraschicht. […]

50er-Jahre: Dieburgs Fußballer für Odenwälder noch zu stark

In Aufstiegsspielen ziehen in den 50er-Jahren die Mannschaften aus dem Kreis Erbach den Kürzeren. Teil acht der Serie „Geschichte des Odenwälder Fußballs“.
ODENWALDKREIS – Mit 19 Fußballmannschaften begann im August die Saison 57/58 in der II. Amateurliga. Der Odenwald war jedoch nur durch den FC Erbach vertreten, der die Runde immerhin auf dem sechsten Tabellenplatz abschloss. Meister wurde mit sechs Punkten Vorsprung auf Rot-Weiß Walldorf der FC Langen.

Anlässlich des 5. Mümlingtalfests fand auf dem Platz des SV Beerfelden am 10. August 57 ein Vergleich der Auswahlmannschaften Oberes und Unteres Mümlingtal statt. Nach ausgeglichenem Spielverlauf setzte sich die Oberzent dank eines Treffers des Zellers Schlößmann mit 1:0 durch. „Man hatte bei der Unterzent die größte Hoffnung auf Linksaußen Schimpf (Neustadt) und Mittelstürmer Bosch (Höchst) gesetzt, aber Struve (Michelstadt) zeigte eine großartige Leistung und ließ den Neustädter kaum zum Zuge kommen, und auch Bosch kam gegen Hering (Beerfelden) nicht durch. Einige scharfe Schüsse hielt Daum (Michelstadt) sicher. Auf der anderen Seite stand ebenfalls eine starke Abwehr, in der Heusel (Neustadt) überragte“, schrieb die Odenwälder Heimatzeitung, die letztlich von einem glücklichen Sieg berichtete, der „aber aufgrund der Gesamtleistung als verdient angesprochen werden muss“.

[…]

Für die Spielzeit 1958/59 wurden die A-Klassen neu eingeteilt (Ost, West
und Süd). Zehn Mannschaften aus dem Kreis Erbach spielten mit neun aus
dem Kreis Dieburg in der Ostgruppe zusammen. Meister wurde die TG
Ober-Roden vor dem FV Eppertshausen. Die Odenwälder Teams spielten bei
der Titelvergabe keine Rolle und belegten die Plätze 4 (VfL
Michelstadt), 5 (KSG Neustadt), 7 (TSV Höchst), 10 (SV
Lützel-Wiebelsbach), 11 (SG Sandbach), 13 (TSV Hainstadt), 15 (SV
Beerfelden), 17 (TSG Steinbach), 18 (FC Rimhorn) und 19 (TSG Bad König).

[…]

 

Neustadt will Pokal nicht geschenkt

Von Klaus Gackenheimer und Lutz Heider

ODENWALDKREIS – Das Jahr 1954 – da war doch was ? Das „Wunder von Bern“, der Triumph der deutschen Fußball-Nationalmeisterschaft bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz, elektrisierte das Volk. Auch im Odenwald hatte die Saison 1953/54 einiges zu bieten.
In der A-Klasse freute sich der SV Beerfelden ebenso über den Meisterschaftsgewinn wie eine Liga tiefer die TSG Zell. Die Kreispokalrunde wurde in gleich fünf Gruppen ausgetragen, um die Anreisewege der Mannschaften und Zuschauer so kurz wie möglich zu halten. Die Runde war verglichen mit heutigen Verhältnissen kurz: Begonnen wurde im März 1954, und das Endspiel fand bereits drei Monate später am 27. Juni in Sandbach statt – und nach der regulären Spielzeit stand es zwischen der KSG Neustadt und dem SV Lützel-Wiebelsbach unentschieden 3:3. Zur Verlängerung sollte es nicht mehr kommen. Die Umstände veranlassten die KSG-Vorsitzenden Kull und Mohr zu einer Klarstellung in der Presse.

Auszüge aus dem Leserbrief:
„Aus den einzelnen Pokalspielen qualifizierten sich der VfL Michelstadt und die KSG Neustadt als Gruppensieger, nachdem Neustadt mit Erbach und Beerfelden punktgleich stand. Beerfelden verzichtete auf die Austragung eines Entscheidungsspiels in Erbach, wahrscheinlich deswegen, weil an diesem Sonntag das Kreisfeuerwehrfest in Beerfelden stattfand. Gegen Erbach fand die Begegnung auf neutralem Platz in Bad König statt, welche Neustadt mit 4:3 gewann.“
 
Damit hatten die Neustädter das Finale gegen den VfL Michelstadt erreicht, allerdings konnten sich beide Vereine nicht auf einen Austragungsort einigen: die Michelstädter wollten im Erbacher Sportpark spielen, die KSG Neustadt bevorzugte Sandbach.
„Um beiden Teilen gerecht zu werden, bestimmt Kreisfußballfachwart Fritz Walter als Zwischenlösung den für beide Vereine zentral gelegenen Platz in Mümling-Grumbach. Auch damit war Michelstadt (wahrscheinlich der Spielausschuss) nicht einverstanden und verzichtete daraufhin auf die Austragung des Pokalendspiels. Ein Vorgehen, welches sicher von dem größten Teil und auch der Mitglieder dieses Vereins nicht befürwortet wurde“, schreibt der KSG-Vorstand in seinem Leserbrief und kommt zu dem Schluss, dass „Michelstadt nur anderer Gründe wegen in Erbach spielen wollte. Ein solches Verhalten hat aber mit der Ausspielung des Pokals überhaupt nichts zu tun und muss vom sportlichen Standpunkt aus verurteilt werden.“
 

Das Odenwälder Pokalendspiel im Kreis Erbach zwischen der KSG Neustadt und dem SV Lützel-Wiebelsbach wurde am 27. Juni 1954 von Schiedsrichter Philipp Gaubatz aus Dreieichenhain geleitet. Die Partie begann um 15 Uhr, er verließ um 11 Uhr morgens seinen Heimatort und kehrte um 21 Uhr zurück. Und in seinem Spielbericht machte der Unparteiische vom SV Dreieichenhain folgende Unkosten geltend: Für Fahrtkosten in der 3. Klasse musste er 7,60 DM bezahlen. Weitere 8 DM rechnete er als Spesen ab. (luh)

Nun trafen die Neustädter (II. Amateurliga) auf den SV Lützel-Wiebelsbach aus der A-Klasse. Und der Ärger ging weiter: Nach dem 3:3 (Neustadt führt zur Halbzeit mit 3:1) nach 90 Minuten kam es zu keiner Verlängerung mehr. „Noch vor Beginn der geplanten Verlängerung soll angeblich ein Neustädter Spieler eine unsportliche Bemerkung gemacht haben, wodurch sich die Mannschaft von Lützel-Wiebelsbach veranlaßt sah, ein Weiterspielen abzulehnen und zu Gunsten Neustadts auf den Pokal zu verzichten.“ Das wiederum war der KSG nicht recht: „Ein Pokal, den unserer Mannschaft nicht durch ein gewonnenes Spiel erringen konnte, ist für sie ohne Bedeutung. Und unser Verein lehnte es daher ab, den Pokal zu übernehmen.“

Die Leserbrief-Schreiber verweisen darauf, dass ihre Mannschaft in den vergangenen zwei Jahren in der II. Amateurliga keinen Platzverweis hinnehmen musste „und hart, aber immer fair ihre Spiele austrug“. Dies habe dem Team in der Liga Anerkennung und Beachtung eingebracht. „Warum müssen sich die Vereine innerhalb eines Kreises feindlich gesinnt sein?“ Die Antwort geben sich Neustadts Verantwortliche gleich selbst: „Die Hauptschuldigen bei unsportlichem Verhalten auf den Sportplätzen sind natürlich bei den Zuschauern zu suchen, die die Spieler aufs äußerste reizen, so daß sich solch unangenehme Vorkommnisse ereignen.“

Das unvollendete Finale bestritten folgende Spieler:
KSG Neustadt: Hans Röhrig im Tor, Willi Waigel, Wilhelm Rodenhausen, Ludwig Müller, Adam Heusel, Erich Thierolf, Emil Petri, Helmut Stockum, Ludwig Friedrich, Ernst Müller und Georg Schimpf. Lützelbach spielte mit: Rudi Schäfer, Willi Flath, Willi Beck, Karl Grünewald, Georg Beck, Georg Rummel, Heinz Häger, Klaus Häger, Leonhard Schäfer, Heinz Rudolph und Georg Olt.

In der Verbandsrunde 1954/55 waren bereits vier Odenwälder Vereine in der II. Amateurliga vertreten und belegten beim Sieg von Olympia Lorsch die Plätze vier (VfL Michelstadt), fünf (TSV Erbach), 14 (SV Beerfelden) und 15 (KSG Neustadt). Meister der A-Klasse wurde der TSV Höchst und in der B-Klasse der KSV Haingrund. Die Entscheidung in der untersten Liga fiel am 5. Mai 1955 „vor zahlreichen Zuschauern“, so das Main-Echo in seinem Spielbericht, im Vergleich zwischen Herbstmeister Haingrund und dem Verfolger aus Rothenberg. Der gastgebende KSV siegte nach Toren von Veith, Brohm und dem von Spielmacher Otto Olt verwandelten Handelfmeter in der 84. Minute mit 3:2 (zweifacher SG-Torschütze: Kossakowski). Der Artikel endete mit: „Dem neuen Meister entbietet das Main Echo herzliche Glückwünsche.“

Im Kreispokal ging es in der Saison 54/55 konfliktfreier zu. Und im Finale zwischen der TSG Zell und dem FC Rimhorn wurde auch die Verlängerung gespielt. Mit 4:3 triumphierten die Zeller. Die Zeitung schrieb: „Die erst im Vorjahr in die A-Klasse aufgestiegenen Zeller konnten zwar in Führung gehen, aber Rimhorn erzielte innerhalb von zwei Minuten zwei Treffer und konnte bis zur Pause auf 3:1 erhöhen. Dank der ausgezeichneten Abwehr konnte Rimhorn diesen Vorsprung bis 5 Minuten vor Spielende halten. Dann aber legten die Zeller einen imponierenden Endspurt hin und in wenigen Minuten stand die Partie 3:3, so daß eine Verlängerung erforderlich wurde. In diesem Abschnitt hatte Rimhorn das Pech, daß sein Verteidiger Schäfer den Zellern durch ein Selbsttor zu einem knappen Sieg verhalf, der dem jungen Verein den Kreispokal einbrachte.“

Der Kreisfußballtag 1955 verlief laut Odenwälder Heimatzeitung „voller Harmonie und gab den vollzählig erschienenen Vereinsvertretern Gelegenheit, gemeinsam Rückschau zu halten und die Aufgaben für die Zukunft zu besprechen“. Besonders gelobt wurde bei der Tagung der VfL Michelstadt, weil er zehn Schiedsrichter stellte.

Scroll to Top